Wenn du einen Beweis brauchtest, dass Fußball pures Chaos ist, warst du am Montagabend im Ernst-Happel-Stadion genau richtig.
Endergebnis: Österreich 1, Tunesien 0. Simpel. Die Geschichte dahinter? Alles andere als.
Rote Karte, drei Latten, ein Sieg
Es begann bereits vor dem Anpfiff schlecht: Christoph Baumgartner spürte beim Aufwärmen einen Stich im Oberschenkel und konnte nicht spielen. Solche Dinge passieren. Was dann folgte, war weniger banal.
In der ersten Halbzeit war Tunesien nicht nur gefährlich — sie waren magnetisch auf das Aluminium ausgerichtet. Hannibal Mejbri zirkelte einen Freistoß an die Latte. Firas Chaouat traf den Pfosten. Ben Slimane fügte den dritten Treffer ans Gebäude hinzu. Drei. Dreimal. Das Happel-Stadion schaute einer Mannschaft zu, die komplett ausgespielt wurde — und irgendwie davonkam.
Dann machte Konrad Laimer die Sache entscheidend schlimmer. Handspiel auf der Linie als letzter Mann, VAR-Check, Rote Karte. Zehn Mann. 37. Minute.
An diesem Punkt würde jeder vernünftige Mensch eine Niederlage erwarten. Ralf Rangnick handelt offenbar nicht nach vernünftigen Erwartungen. Sein Halbzeit-Umbau war so umfassend, dass es fast eine andere Mannschaft war — rein kamen Friedl, Chukwuemeka, Kalajdzic und weitere. Österreich in Unterzahl sah plötzlich besser aus als Österreich mit voller Stärke.
Marcel Sabitzer beendete es in der 63. Minute: Angriff über rechts, Posch mit dem Pass durch, Sabitzer ruhig ins kurze Eck. Sein 26. Länderspieltor — gleichauf mit Andreas Herzog und Matthias Sindelar in der Ewigen ÖFB-Liste. Keine schlechte Gesellschaft.
Die Österreicher trafen danach selbst zweimal die Latte — nur um das Thema weiterzuführen. Rangnick nannte es einen Lerneffekt. War er. Österreich fliegt nach Kalifornien mit drei Siegen aus drei Testspielen, einem WM-Comeback nach 28 Jahren — und dem ersten Pflichtspiel am 17. Juni gegen Jordanien in Santa Clara. Die Fans im Happel haben das Team lautstark verabschiedet. Arnautovic, der seine Teamkarriere nach der WM beendet, bestritt sein letztes Spiel auf österreichischem Boden.
Deutschland: Präzise, fokussiert, langweilig im besten Sinne
Zwei Tage zuvor tat Julian Nagelsmanns Deutschland das, was Deutschland bei Testspielen meistens tut: effizient gewonnen und exakt null Fragen aufgeworfen.
Finnland kam nach Mainz und verlor 4:0. Kein Wettbewerb. Interessanter als das Ergebnis war das Signal — Nagelsmann hat sein System klar definiert. Der Kader, den er Montag bekanntgab, bestätigt es: Neuer im Tor (die Comeback-Geschichte schreibt sich selbst), Kimmich als Motor, genug Offensive im Kader, um jedem Gegner Probleme zu bereiten.
Deutschland eröffnet gegen Curaçao am 14. Juni. Ihre Gruppe mit Spanien ist jene, die alle beobachten. Wenn beide sauber durchkommen, wird das potenzielle Achtelfinale schon jetzt besprochen.
Tipp-Hinweis: Deutsche bei Elfmeterschießen zu unterschätzen ist ein bewährter Fehler. Die sind gut darin. Kalkuliert das ein.
England: Nicht im Einsatz — aber trotzdem einen Blick wert
England spielte am Montag nicht — sie sparen sich für Freundschaftsspiele gegen Neuseeland (5. Juni) und Costa Rica (10. Juni) in Florida auf, bevor ihr WM-Auftakt gegen Serbien am 16. Juni kommt.
Die Stimmung? Vorsichtig optimistisch. Thomas Tuchel hat einen tiefen Kader und Kane in Torlaune für Bayern. Das Mittelfeld hat echte Substanz. Die Abwehr hat offene Fragen. Klassisch England.
Ihre Gruppe mit Frankreich ist jene, die Neutral-Fans schon jetzt einkreisen. Wenn beide durchkommen, ist das Quarter-Final-Duell Pflichtprogramm.
Tipp-Hinweis: England ihre Gruppe zu gewinnen liegt bei rund 45% auf den Prognosemärkten. Frankreich in derselben Gruppe etwas höher. Back die Geschichte, die zu deiner Stammtischrunde passt.
Noch neun Tage
Österreich fliegt raus. Deutschland ist geladen. England macht Cardio in Florida. Die Kader-Fristen schließen heute Nacht. Alles ist konkret.
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Quelle: ORF Sport
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